Unser Waldwichtel zieht nicht freiwillig bei uns ein.

Eigentlich lebt er sehr zufrieden hinter seiner grünblauen Tür im stillen Wald. Dort rascheln die Blätter, niemand fragt vor dem ersten Kaffee nach verschwundenen Socken und der Weihnachtsmann verteilt keine spontanen Arbeitsaufträge.

Kurz vor dem ersten Dezember bekommt er trotzdem Post. Er soll seine Sachen packen und bis Weihnachten bei einer Familie einziehen.

Begeistert ist er davon nicht.

Deshalb beginnen seine ersten Tage bei uns mit ziemlich verqueren Streichen. Nach und nach gewöhnt er sich jedoch an das Familienleben. Aus dem mürrischen Kauz wird ein erstaunlich lieber Mitbewohner, der am Ende vielleicht sogar eine kleine Träne verdrückt.

Natürlich behauptet er später, es wäre nur Staub gewesen.

Was braucht man für den Einzug eines Wichtels?

Für eine einfache Wichtelzeit braucht es keine komplette Miniaturwelt. Eine Wichteltür, ein Name und ein paar kleine Zettel reichen vollkommen aus.

Unsere Waldwichteltür haben wir selbst aus FIMO gestaltet. Sie ist ungefähr 10 Zentimeter groß. Neben der Tür befindet sich ein kleines Fenster und grüne Ranken wachsen um den Rahmen.

Wie sie entstanden ist, zeige ich in meiner Anleitung für die Waldwichteltür aus FIMO in Grün und Blau.

Dazu verwenden wir Dinge, die ohnehin im Haus oder Kinderzimmer liegen:

** Papier und Stifte

Unser Wichtel bleibt unsichtbar. Er hinterlässt Briefe, kleine Spuren und gelegentlich ein verdächtiges Durcheinander. Das nimmt den Druck heraus, ständig eine Figur umstellen zu müssen.

24 einfache Ideen für die Wichteltür

Die Ideen werden im Laufe des Dezembers etwas freundlicher. So entwickelt sich nebenbei die Geschichte unseres zunächst ziemlich schlecht gelaunten Waldwichtels.

1. Dezember: Die Tür ist plötzlich da

Am ersten Morgen ist die Wichteltür eingezogen. Daneben liegen ein kleiner Koffer, ein zusammengerollter Zettel und vielleicht einige Tannenzapfen.

Auf dem Brief steht:

Na toll. Der Weihnachtsmann hat beschlossen, dass ich bis Weihnachten bei euch wohnen soll. Dabei war es in meinem Wald gerade ausgesprochen gemütlich. Bitte nicht anklopfen. Ich muss mich erst einmal von der Reise erholen.

Mehr muss am ersten Tag gar nicht passieren. Die Tür und der Brief sorgen meist schon für genug Gesprächsstoff.

2. Dezember: Die Schuhe stehen falsch

Der Wichtel hat nachts sämtliche Schuhe vertauscht oder in einer langen Reihe aufgestellt.

Falls morgens wenig Zeit ist, reichen auch drei Paar Schuhe. Niemand muss für einen gelungenen Wichtelstreich den gesamten Flur neu sortieren.

Seine Nachricht:

Ich wollte helfen. Eure Schuhordnung war allerdings so verwirrend, dass ich mein eigenes System eingeführt habe. Ihr erkennt es sicher sofort. Vermutlich.

3. Dezember: Die Kuscheltiere halten eine Sitzung ab

Alle Kuscheltiere sitzen im Kreis. In ihrer Mitte liegt ein kleiner Zettel mit der Aufschrift „Wichtige Waldversammlung“.

Vielleicht trägt eines der Tiere einen Papierhut und wurde offenbar zum Vorsitzenden gewählt.

4. Dezember: Eine Sockengirlande hängt an der Tür

Einige Kindersocken werden mit kleinen Klammern oder Geschenkband vor der Wichteltür aufgehängt.

Der Wichtel erklärt, er habe Weihnachtsdekoration gebastelt. Dass Socken dafür möglicherweise nicht vorgesehen waren, konnte er schließlich nicht wissen.

5. Dezember: Der Wichtel verlangt einen Namen für seine Zimmerpflanze

Vor der Tür steht ein kleiner Zweig in einem winzigen Gefäß. Die Kinder dürfen einen Namen für die neue Pflanze aussuchen und auf einen Zettel schreiben.

So entsteht eine Aufgabe, die kaum Vorbereitung braucht und den Kindern trotzdem das Gefühl gibt, direkt mit dem Wichtel zu sprechen.

6. Dezember: Ein kleiner Nikolausgruß

Zum Nikolaustag stellt der Wichtel eine Kleinigkeit vor die Tür. Das können eine Mandarine, Nüsse, ein Schokoladenstück oder ein kleiner Brief sein.

Er behauptet natürlich, der Nikolaus habe alles bei ihm abgegeben, weil der Weg bis zu den Kinderschuhen angeblich viel zu weit gewesen sei.

7. Dezember: Gesichter auf den Bananen

Mit einem abwischbaren oder lebensmittelechten Stift bekommen Bananenschalen lustige Gesichter.

Der Wichtelbrief dazu:

Euer Obst sah gestern noch so ernst aus. Ich habe die Stimmung verbessert. Gern geschehen.

8. Dezember: Die Löffel sind ausgewandert

Die Frühstückslöffel liegen plötzlich in einer Spielzeugkiste oder ordentlich aufgereiht vor der Wichteltür.

Daneben steht:

Die Löffel wollten einmal etwas von der Welt sehen. Ich habe ihnen einen kleinen Ausflug erlaubt.

9. Dezember: Post aus dem Wald

Heute gibt es keinen Streich. Der Wichtel erzählt in einem Brief von seinem Zuhause:

Im Wald ist es morgens ganz still. Nur die Vögel reden schon vor dem Frühstück. Das ist ein wenig anstrengend, aber immer noch leiser als ihr. Trotzdem ist es hier inzwischen gar nicht mehr so schlimm.

Die Kinder können ihm ein Bild vom Wald malen oder einen Antwortbrief schreiben.

10. Dezember: Eine Baustelle aus Bauklötzen

Vor der Wichteltür steht eine kleine Absperrung aus Bauklötzen. Ein Schild warnt vor dringenden Reparaturen.

Was genau repariert wird, weiß niemand. Vermutlich weiß es nicht einmal der Wichtel.

11. Dezember: Wattebälle vor der Tür

Einige Wattebälle werden als Schneebälle vor der Tür verteilt. Zwei Spielzeugfiguren sitzen mitten in einer offensichtlich eskalierten Schneeballschlacht.

Das sieht hübsch aus, verursacht kaum Unordnung und lässt sich am nächsten Morgen schnell wieder wegräumen.

12. Dezember: Ein verpackter Alltagsgegenstand

Der Wichtel verpackt einen Becher, eine Haarbürste oder die Brotdose eines Kindes in Geschenkpapier.

Seine Begründung:

Ich übe für Weihnachten. Der Gegenstand war gerade verfügbar. Über den Inhalt beschwert man sich bei einem Geschenk übrigens nicht.

Am besten eignet sich hierfür bereits benutztes Geschenkpapier, das danach noch einmal verwendet werden kann.

13. Dezember: Der Wichtel braucht Hilfe bei einer Entscheidung

Vor der Tür liegen zwei kleine Farbkarten oder gemalte Pullover. Die Kinder dürfen entscheiden, welche Farbe der Wichtel an Weihnachten tragen soll.

Solche kleinen Entscheidungen sind praktisch für Tage, an denen keine Zeit für einen aufwendigen Streich bleibt.

14. Dezember: Eine winzige Schatzsuche

Ein Brief enthält den ersten Hinweis. Zwei oder drei weitere Zettel führen zu einer kleinen Überraschung.

Der Schatz muss nichts Großes sein. Ein gemeinsamer Kakao, ein Weihnachtssticker oder die Ankündigung eines Filmabends reichen völlig aus.

15. Dezember: Das Familienfoto wurde ergänzt

Auf einer ausgedruckten Kopie eines Familienfotos malt der Wichtel sich selbst dazu. Vielleicht trägt plötzlich auch jedes Familienmitglied eine Weihnachtsmütze.

Bitte nicht auf dem Originalbild malen. Selbst ein Waldwichtel sollte gewisse Grenzen kennen.

16. Dezember: Eine Nachricht am Spiegel

Mit einem geeigneten abwischbaren Stift schreibt der Wichtel eine kleine Nachricht auf den Spiegel:

Heute siehst du verdächtig freundlich aus. Behalte das bitte bei.

Alternativ kann die Nachricht auf einen Zettel geschrieben und mit Klebeband am Spiegel befestigt werden.

17. Dezember: Der Wichtel hat die Farben sortiert

Buntstifte, Bauklötze oder kleine Spielfiguren liegen ordentlich nach Farben sortiert vor der Tür.

Das ist besonders lustig, wenn der Wichtel vorher behauptet hat, Ordnung sei eine völlig überschätzte Erfindung.

18. Dezember: Ein gemeinsamer Kakaoabend

Vor der Tür liegen einige kleine Marshmallows oder ein gemalter Gutschein für einen gemeinsamen Kakao.

Der Wichtel schreibt:

Im Wald trinken wir Tannennadeltee. Kakao ist deutlich besser. Sagt das aber keinem der anderen Waldwichtel.

19. Dezember: Der Wichtel verteilt Komplimente

Jedes Familienmitglied bekommt einen kleinen Zettel mit einer netten Beobachtung.

Zum Beispiel:

Dieser Tag darf ruhig ein wenig kitschig sein. Der Wichtel würde das selbstverständlich anders nennen.

20. Dezember: Eine Aufgabe für die ganze Familie

Der Wichtel bittet alle, gemeinsam etwas Gutes zu tun. Vielleicht wird Vogelfutter aufgehängt, ein lieber Brief verschickt oder ein Spielzeug zum Spenden ausgesucht.

Die Aufgabe sollte klein und wirklich machbar bleiben. Es geht nicht darum, kurz vor Weihnachten ein zusätzliches Familienprojekt mit Organisationsplan zu eröffnen.

21. Dezember: Die Spielzeugfiguren haben die Tür belagert

Mehrere Figuren stehen vor der Wichteltür und halten kleine Schilder hoch.

Darauf kann stehen:

Der Wichtel reagiert in seinem Brief leicht genervt und bittet die Kinder um Hilfe bei den Verhandlungen.

22. Dezember: Der Koffer steht bereit

Der kleine Koffer vom ersten Dezember taucht wieder auf. Daneben liegen einige winzige Kleidungsstücke aus Papier.

Jetzt wird langsam klar, dass der Wichtel bald zurück in den Wald muss.

Sein Brief fällt ungewohnt freundlich aus:

Ich packe nur vorsichtshalber. Nicht weil ich euch vermissen werde. Das wäre schließlich ausgesprochen unprofessionell.

23. Dezember: Eine letzte Überraschung

Der Wichtel hinterlässt eine kleine Erinnerung. Das kann ein Foto der Wichteltür, ein Anhänger für den Weihnachtsbaum oder ein selbst geschriebener Gutschein für gemeinsame Zeit sein.

Besonders schön finde ich etwas, das im nächsten Jahr wieder hervorgeholt werden kann.

24. Dezember: Der Abschiedsbrief

Am letzten Tag verabschiedet sich der Waldwichtel.

Liebe Familie,

heute ziehe ich zurück in meinen Wald. Dort wartet meine grünblaue Tür, das kleine Fenster und sehr viel angenehme Ruhe auf mich.

Am Anfang war ich nicht besonders begeistert, bei euch wohnen zu müssen. Ihr seid laut, eure Socken liegen an merkwürdigen Orten und jemand isst ständig die Kekse, die ich für später aufheben wollte.

Trotzdem war es schön bei euch. Sehr schön sogar.

Vielleicht komme ich im nächsten Dezember wieder. Aber nur, wenn der Weihnachtsmann mich ausdrücklich darum bittet.

Und falls jemand eine kleine Träne vor meiner Tür findet, war das der Winterwind.

Euer Waldwichtel

Wichtelstreiche müssen nicht jeden Tag groß sein

Eine Wichteltür soll Freude machen und keinen zusätzlichen Dezemberstress verursachen.

Manche Abende haben Platz für eine kleine Schatzsuche. An anderen reicht ein Zettel, auf dem der Wichtel mitteilt, dass er müde ist und heute seine Ruhe braucht.

Das passt sogar hervorragend zu unserem Waldwichtel.

Ich bereite gern einige Briefe und Materialien vor dem ersten Dezember vor. Wattebälle, kleine Zettel, Geschenkband und der Wichtelkoffer kommen zusammen in eine Kiste. So muss ich abends nicht erst im halben Haus nach einem winzigen Stück Papier suchen.

Wer einen Tag vergisst, hat übrigens nicht Weihnachten ruiniert. Der Wichtel hat verschlafen, musste dringend zum Weihnachtsmann oder brauchte einen stillen Tag hinter seiner Tür. Problem gelöst.

Ab welchem Alter eignet sich eine Wichteltür?

Eine Wichteltür kann bereits für jüngere Kinder schön sein, solange die Aktionen einfach bleiben und keine verschluckbaren Kleinteile erreichbar sind.

Ältere Kinder schreiben oft eigene Briefe, erfinden Geschichten und durchschauen möglicherweise längst, wer nachts die Socken umsortiert. Viele spielen trotzdem gern mit, weil die gemeinsame Geschichte wichtiger wird als die Frage, ob der Wichtel wirklich hinter seiner Tür sitzt.

Offenes Feuer und echte Kerzen haben rund um die Wichteltür nichts verloren. Bei Lebensmitteln achte ich darauf, dass sie sauber verpackt bleiben. Kleine Dekoteile räume ich bei jüngeren Kindern außer Reichweite.

Unser Waldwichtel darf unperfekt sein

Ich mag an unserer Geschichte, dass der Wichtel nicht von Anfang an lieb, fleißig und begeistert ist.

Er darf schlechte Laune haben. Er darf sein ruhiges Zuhause vermissen und ziemlich verquere Ideen entwickeln. Gerade dadurch lässt sich über den Dezember erzählen, wie aus einem widerwilligen Besucher langsam ein Teil der Familie wird.

Und wenn er nach Weihnachten wieder in seinen Wald zieht, bleibt seine Tür bei uns. Vielleicht hört man dahinter nichts.

Vielleicht raschelt es aber doch ganz leise.

Unseren Ausflug zu seinem Zuhause findest du im Beitrag über den Wichtelwald in der Dippoldiswalder Heide bei Rabenau.

Fehlt dir noch die passende Tür? Meine handmodellierten Einzelstücke findest du – solange sie verfügbar sind – im LayDySign Etsy-Shop. Eine ausführliche Bastelanleitung gibt es außerdem im Beitrag Wichteltür aus FIMO selber machen.